Blasenlos in die unendliche Dunkelheit

Vor einiger Zeit hatten wir ja den neuen PATD-CCR Cave Kurs vorgestellt. Ende November 2018 war es dann soweit und die ersten Schüler absolvierten unter der Leitung von Stefan Gaar den ersten CCR Cave 2 Kurs erfolgreich.
Zugegebenermaßen hatten viele Leute davon abgeraten, im November nach Frankreich zu fahren. Zu unsicher sei das Wetter und folglich die Bedingungen. Auf der anderen Seite ist es bekanntermaßen nicht so einfach, drei selbständige Unternehmer zur gleichen Zeit für eine Woche an einem Ort zu vereinen, der auch noch mehr als 1200 km von daheim entfernt ist. Also doch November, und, um es vorweg zu nehmen, die Bedingungen waren teilweise absolut genial.
Auf der gemeinsamen Hinfahrt im Mercedes-Bus konnte die Zeit optimal genutzt werden, um die gesamte Theorie des Höhlentauchens durchzuarbeiten und dabei immer wieder auch die Spezialitäten eines geschlossenen Kreislaufgerätes mit zu erörtern. Die Voraussetzungen in der Gruppe waren optimal, Torsten ist im offenen System schon Cave 2 zertifiziert und taucht seit mehreren Jahren mit seinem JJ in Trimix-Tiefen an Wracks. Patrick hatte vor einigen Jahren einen Cave 1 OC abbrechen müssen, taucht seitdem überwiegend tiefe Wracks und ist vor etwa einem Jahr auf ein Classic-KISS umgestiegen. Das Ziel hieß somit; innerhalb einer Woche Cave-1 Inhalt wiederholen und Übungen bis Cave 2 abnehmen.
Patrick hatte daher einige Wochen früher bereits mit Stefan eine Trainingssession mit Reel im See absolviert, von Torsten war bekannt, dass er ausreichend Routine hatte.
Als die Gruppe Sonntagabend nach mehreren teils intensiven Regenschauern während der Fahrt im Lot ankam, war nach einem kurzen Gespräch mit Harald (http://www.lotcavediving.eu), der wie immer Unterkunft, Gase und köstliches Essen zur Verfügung stellte, die Entscheidung recht schnell gefallen, die ersten Tage nach Norden zu fahren, weil die Bedingungen dort die Wochen zuvor exzellent gewesen waren und durch das Wetter nur schlechter werden konnten. Am nächsten Morgen ging es daher direkt zur Cabouy, wo bereits drei bekannte Gesichter (Pedro, Anton und Jan) vor Ort waren. Nach einem kurzen Schwätzchen wurden die Geräte aufgebaut und Torsten trat unfreiwillig den Beweis an, dass ein e-CCR durch mehr Technik auch komplizierter in seinen Fehlermodi war. Nach einem Telefonat, und einer Stunde Fluchen und Schwitzen war es dann geschafft und der Shearwater-Controller so weit kalibriert, dass er das Gerät von nun an manuell tauchen konnte. Wahrscheinlich fühlte sich sein Solenoid einfach einsam zwischen den beiden KISS. ? In der Folge hatte Tauchlehrer Stefan als ‚Aufseher‘ natürlich noch ein Display mehr, auf das er intensiv achten durfte. Man will ja verhindern, dass eines der Geräte beim Auftauchen hypoxisch wird und der Schüler dies aufgrund des erhöhten Task-Load nicht schnell genug bemerkt.
Die anschließenden 2 TG mit jeweils rund einer Stunde wurden intensiv genutzt, um mit Reel, Pfeilen und Spools komplexe Szenarien aufzubauen und wie üblich mit wenig bis kein Licht den Rückweg zu finden. Die Bedingungen waren wie erwartet sehr gut und das Wasser in der Höhle deutlich wärmer als im Pool. Da die Höhle in diesem Bereich etwa 30m tief ist, konnte der kurze Dekostopp gleich für die Tarier-Übung, und zur Abnahme aller exotischen Flossentechniken genutzt werden.
Tags darauf ging es zur St. Georges, wo der Tauchgang bis zur Auftauchstelle führte. Da beide Schüler ihre Geräte mit On-Board Bailout tauchten, war ein Szenario mit Gas-Sharing und Longhose sinnvoll und wurde folglich auch trainiert. Für die Leinensuche nach Korkenzieher-Methode und anschließender Buddy-Suche, war das Finden einer geeigneten Stelle die Herausforderung. Man will ja vermeiden, dass aus einer Übung dann ein erstzunehmender realer Siltout wird. Für diejenigen welche die St. Georges nicht kennen sei angemerkt, dass der Boden der Höhle zwar wie massiver Fels aussieht, aber in Wirklichkeit aus Lehm besteht. Und den will man wirklich nicht aufwühlen.
Nach dem Auftauchen wurden die einzelnen Übungen und die verschiedenen möglichen Lösungsszenarien intensiv diskutiert. Ist es gefährlicher in der Loop zu bleiben, obwohl ich den PPO2 nicht präzise ablesen kann und eine Hypoxie zu riskieren oder ist Bailout in OC die schlechtere Wahl, weil ich durch den beschleunigten Gasverbrauch das Stressmoment erhöhe? Es sind nicht zuletzt diese Diskussionen oder die Fähigkeit diese zu führen, warum der Kurs sich an erfahrene Kreiseltaucher richtet und nicht an CCR-Einsteiger.
Am Mittwoch ging es dann zu Europas meistbetauchter Höhle, der Ressel. Die Anfahrt ist deutlich kürzer und weil das Wasser der Celé zwar klar aber sehr kalt war, wurde die Tauchzeit in der Höhle und somit im warmen Höhlenwasser einfach ein wenig verlängert. Durch die zahlreichen Seitengänge und Kammern auf den ersten 400m konnten sich die Schüler bezüglich Navigation und Übungen mal so richtig austoben und alle denkbaren Leinen-Such-Techniken intensiv ausprobieren. Nach fast 4 Stunden unter Wasser konnte Stefan viele Haken an der Checkliste machen. Danach ging es noch kurz an die Lantouy, einer sehr kurzen Höhle, die aber wie so oft malerisch liegt und nur selten so hervorragende Bedingungen hat wie an diesem Tag. Patrick brauchte außerdem ja formal eine 5. Höhle fürs Cave-2 Brevet. Auf dem Rückweg stand noch ein Besuch bei der bereits erwähnten Schweizer-Holländischen Crew an, da diese in der nahgelegenen Moulin logierten. Fachsimpeln macht bei einem kalten Bier in netter Runde einfach noch mehr Spaß.
Der 7. und letzte Tauchgang führte in der St. Saveur bis auf eine Tiefe von 60m. Harald hatte hierfür extra ein geeignetes Trimix als Diluent und Bailout gefüllt. Nach Abnahme der letzten noch fehlenden Übungen konnte PATD-Tauchlehrer Stefan Gaar den ersten beiden PATD CCR-Cave 2 Taucher zum bestandenen Kurs gratulieren.

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