Abhängen in Frankreich

Text und Fotos: Michael Melcher

Wenn PATD-Taucher an einem verlängerten Wochenende ein paar Höhlen in Südfrankreich betauchen, ist das normalerweis sehr gemütlich. Diesmal jedoch war das Abhängen sehr anstrengend.

 

Es gibt gemütliche Höhlen, es gibt anstrengende Höhlen und es gibt Höhlen nach denen man Muskelkater hat. Oder um PATD-Gründer Bernd Aspacher zu zitieren: "Wenn ich mein Reel nicht am Seitenspiegel festmachen kann, wird es bestimmt eine Scheiß-Schlepperei."

Und obwohl die angedachten Höhlen nach dieser Definition alle ein "Scheiß-Schlepperei" sind, machten sich Basti, Ferkel, Mirco, Vincent, Anke und Michael auf den Weg nach Frankreich. Am Rande der Ardèche wurde ein Haus gemietet, welches für die nächsten Tage als Basis diente.

Es geht nichts über einen gut ausgebauten VW-Bus.

Mit der Goul de Pont stand dann auch die Höhle auf dem Programm, die am wenigsten Schlepperei erforderte. Mit etwas Glück kann man nämlich sein Auto tatsächlich so parken, dass man das Reel am Außenspiegel festmachen kann. Was hier aber nicht notwendig ist, da in der Höhle eine fest installierte Leine auf bis etwas über 200 m liegt. So tief wollten die diversen Teams dann aber doch nicht. Während Basti und Vincent den wie immer traumhaft klaren Schacht, der in steilen Stufen abfallenden Höhle bis auf eine Tiefe von 117 m  genossen, blieben die anderen Teams mit 21/35 eher flach.

Die nächste Höhle, wenn auch nur 150 m von der Goul de Pont entfernt, erforderte schon mehr Schlepperei. Für die Goul de Tannerie muss man etwas weiter vorne im Stadtpark von Bourg Saint Andeol parken und den Fluss, der aus der Pont entspringt, überqueren. Letztlich auch nur 100 m Fussweg, aber in der sengenden Sonne Südfrankreichs durchaus eine "Scheiß-Schlepperei", je nachdem was man in der Höhle vorhat. Denn auch die Tannerie fällt auf weit über 200m ab. Bis es aber abwärts geht, muss man zunächst auf einer Durchschnittstiefe von weniger als 10 m ziemlich genau 700 m in den Berg schwimmen. Beim glasklaren Wasser und den schön geformten Gängen immer wieder ein Genuss. Und letztlich hat die lange Schwimmstrecke und die Schlepperei auch einen Vorteil: man hat abends ordentlich Hunger. Und da man in Frankreich sehr gut essen kann, schadet ordentlich Appetit höchstens, wenn man einen sehr eng sitzenden Trockentauchanzug hat.

Zur Tannerie muss der quer laufende klene Bach überquert werden. Links vom Brückenpfeiler, ganz rechts im Bild, steht ein Auto. Von dort sind es 3 m bis in die Goul de Pont.

Um der drohenden Verfettung vorzubeugen, unbestätigten Angaben nach soll es Leute geben, die alleine zwei Baguette zum Frühstück verdrücken, ging es am nächsten Tag zur Marnade. Und hier ist es dann wirklich eine "Scheiß-Schlepperei". Allein die Anfahrt ist schon abenteuerlich, eine circa 100 m lange, gerade einmal 2,5 m breite Brücke ohne jegliche Seitenbegrenzung ist dabei noch der leichtere Teil. Am Ende des wohlwollend als Feldweg zu bezeichnenden Weges gibt es eine Lichtung im Unterholz, der gerade Platz für drei Autos bietet. Von hier aus geht ein Trampelpfad durchs Unterholz bis zu einem traumhaft versteckt liegenden Quelltopf. Glücklicherweise spenden die Bäume Schatten, die 250 m Strecke würden sonst keinen Spaß machen. Die Höhle belohnte aber für die Schlepperei, mit 15 m Sicht war sie ungewöhnlich klar. Das Interessante ist der Weg vom 2. zum 3. Sumpf. Bei hohem Wasserstand kann man hier in einem mehrere Hundert Meter langen Trockenteil schwimmen. Ist der Wasserstand niedriger, so ist es eine Mega-Scheiß-Schlepperei. In diesem Falle legt man einfach sein Gerät an der Auftauchstelle ab und watet durchs flache Wasser. Der Trockenteil der Höhle ist hier bis zu 20 m hoch und voll mit gigantischen Stalaktiten, Stalakmiten und Sintervorhängen. In diesem Falle hatte die Gruppe aber Glück, der Wasserstand war hoch genug, um entspannt zum dritten Sumpf zu schwimmen und dabei trotzdem den Ausblick zu genießen. Im dritten Sumpf, der über sehr große Unterwasserhallen verfügt, wurde dann noch mal bis auf 36 m abgetaucht. Und auch hier gibt es unbestätigte Angaben, dass einer der Taucher vor dem Rückweg auf eine Zwischenmahlzeit vor dem Abtauchen in den zweiten Sumpf bestand. Glücklicherweise erwies sich Basti als guter Tauchpartner und konnte die gefährliche OOF-Situation (Out Off Futter) mit einem Backup-Schokoriegel beseitigen.

Der traumhaft gelegene Quelltopf der Marnade spendet an heißen Tagen immer angenehmen Schatten, den Ferkel und Vincent hier nach der Schlepperei genießen.
Ein perfektes Stillleben.

Weniger Strecke, dafür ordentlich Höhenmeter gab es während der Tage auch noch. Da die Ardéche nicht nur zahlreiche tauchbare sondern sogar noch mehr Trockenhöhlen hat, stand auch ein Ausflug in eine solche Höhle auf dem Programm. Aber bitte nicht in eine der diversen touristisch erschlossenen Höhlen mit Lift und Effektbeleuchtung sondern in die Aven du Remajadou. Dabei handelt es sich um ein großes und verzweigtes Höhlensystem. Die Remajadou ist ein Schacht in einen kurzen Trockenteil zwischen zwei Sümpfen des Systems. Der senkrechte Schacht ist 26 m tief und somit eine ordentliche Herausforderung. Da aber Basti nicht nur Tauchlehrer sondern auch SRT-Ausbilder ist, organisierte er zusammen mit Mirco einen SRT-Workshop in der Unterkunft. Aufgrund der offenen Balkenbauweise des angemieteten Hauses war dies ideal um ein Seil zu spannen und daran Aufstieg und Abstieg zu üben. Das sich dabei der Balken leicht gebogen haben soll, ist ein übles Gerücht, so viel gab es nun auch wieder nicht zu essen. Und so war das "Abhängen" am nächsten Tag in den Schacht hinein auch kein Problem. Und was noch wichtiger war, das Herausklettern am frei hängenden Seil ging reibungslos, auch wenn es anstrengend war.

Kene Bondagespielchen sondern ernsthafte SRT Ausbildung.
Auch, wenn für die Remadajou nicht notwendig, der Richtungswechsel mitten im Seil wurde auch geübt.
Beim Klettern ist ordentliches Schuhwerk sinnvoll, beim Zuschauen hingegen nicht notwendig.
Das Erlernte perfekt in die Praxis umgesetzt.
Es kommt selten vor, dass der Lehrer lächelt, wenn ein Schüler abhängt oder sich sogar abseilt.
Aufwärts war deutlich anstrengender, aber dank der Schulung schnell und problemlos.

Und es gab auch einen kleinen Abstecher (150 km einfache Strecke) ans Meer. Genau gesagt nach Cassis an die Bestouan, eine dort in der Hafeneinfahrt gelegene Höhle. Hier ist der Weg vom Parkplatz zum Einstieg in die Bucht nicht weit. Aber da es sich um einen Kiesstrand handelt, ist der Weg umso anstrengender. Und die Schwimmstrecke bis zum Höhleneingang ist auch nicht gerade kurz. Grund genug, nach einem schönen Tauchgang ein extra großes Stück Fleisch auf den Grill zu werfen.

Fazit: trotz "Scheiß-Schlepperei" an manchen Höhlen und trotz des anstrengenden Abhängens an der Remajadou  war die Reise ein voller Erfolg, sowohl in taucherichscher wie in kulinarischer Hinsicht.

So schön der Kiesstrand aussieht, mit voller Ausrüstung kommt man kaum ins Wasser.
Abhängen (Konzentrationsphase) vor dem Tauchgang.
In der Hafeneinfahrt vor dem Höhleneingang, der gerade einmal in 2 m Wassertiefe liegt.
Wer sagt, dass Flaschenfüllen keinen Spaß macht? Zumindest, wenn man zwei Füllsklaven hat.
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