Wracktauchen an der SS Albanien & SS Euterpe, Pag/Kroatien

 

Fotos: Nadin Melcher (Bartsch)

Text: Michael Melcher

 

Im Juli 2011 bereisten wir mit 6 Tauchern die kroatische Insel Pag, um die Wracks Albanien und Euterpe zu betauchen. Als Unterkunft dienten uns die Apartments im Wohnhaus des Basenchefs Kreso Speletic. Apartments und Tauchbasis liegen auf demselben Grundstück direkt am Meer vor dem eigenen Bootsanleger - kürzer können die Wege nicht sein.

Die Basis Spela Dive Support ist ausschließlich auf die Bedürfnisse technischer Taucher ausgerichtet. Sie verfügt über große und überdachte "Rödeltische" an denen die Ausrüstung während des gesamten Aufenthaltes verbleiben kann. Die kurzen Wege zum Kompressorraum und Bootsanleger machen das technische Tauchen ungewohnt bequem. Anfängliche Zweifel, ob ein Schlauchboot für technisches Tauchen mit einer kleinen Gruppe geeignet ist, haben sich schnell verflüchtigt. Das 225 PS starke Rib bietet genügend Platz, um 5 Doppel18, einen RB80 und 18 Stages unterzubringen. Die Doppelgeräte werden stehend in der Mitte des Bootes verzurrt und können auf einer stabilen Ablage angelegt werden. Die Stages werden im Heck des Bootes auf einer dafür vorgesehenen Ablage gestapelt.



Die Ausfahrt zur SS Albanien dauert maximal 15 Minuten. Bei diesem Wrack handelt es sich um ein etwa 65 m langen und 10 m breiten österreichisch-ungarischen Frachtdampfer, der am 4. Juni 1916 durch zwei Torpedotreffer eines italienischen U-Bootes versenkt wurde. Das Wrack steht aufrecht auf dem maximal 72 m tiefen Sandgrund und ist durch eine Oberflächenboje markiert. Die durchschnittliche Tauchtiefe beträgt 65 m. Die Sichtweite betrug zu unserer Zeit 15 m. Da der Rumpf vollständig erhalten ist fällt die Orientierung nicht schwer. Zwei große Ladeschächte führen vom Oberdeck senkrecht ins Schiffsinnere und eignen sich hervorragend für Penetrationen. Im hinteren Laderaum findet man das große Loch des  Torpedotreffers. An den noch immer vorhandenen Details (es hängen noch die Tassen an der Decke der Kombüse) erkennt man, dass das Wrack seit seiner Entdeckung vor ca. 10 Jahren nicht allzu häufig betaucht wird. Auch der Maschinenraum kann durch mehrere Lüftungsklappen vom Oberdeck auf Höhe der Brücke betaucht werden. Allerdings sollten dabei auf Grund der Enge zumindest die Dekogase abgelegt werden.

 

 

Bei ruhiger See kann man die Markierungsboje der Euterpe von der Basis aus erkennen. Entsprechend kurz ist die Ausfahrt - sie dauert 5 Minuten. Auch bei diesem Wrack handelt sich um einen österreichisch-ungarischen Frachtdampfer, der allerdings mit knapp 100 m deutlich länger ist als die Albanien. Die SS Euterpe sank am 11. August 1918 durch den Torpedotreffer eines italieneischen U-Bootes. Sie beförderte ca. 900 Soldaten, wovon die Hälfte beim Untergang ihr Leben verlor. Das Wrack steht aufrecht auf dem 80 m tiefen Sandgrund. Die Durchschnittstiefe beträgt etwa 72 m. Ungefähr in der Mitte ist das Wrack kollabiert, Bug und Heck sind aber noch fast vollständig erhalten. Zugang ins Schiffsinnere findet man am besten über die großen senkrechten Ladeschächte, die allerdings zum Teil mit Leinen verhängt sind. Die Sichtweite betrug zwischen 8 m an Bug und Heck und 3 m im kollabierten (tieferen) Bereich des Wracks. Auf Grund einiger Fischernetze in Kombination mit schlechter Sicht sollte die Euterpe mit Vorsicht betaucht werden.

 

Fazit: Fünf Tauchgänge an zwei Wracks reichen gerade, um einen groben Überblick zu bekommen. Durch die Größe der Schiffe und die noch immer zahlreich vorhandenen Details gibt noch viel zu entdecken. Wir kommen wieder!

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