Höhlentauchen in Florida 1991 - die Geburtsstunde des Technical Diving

Text und Fotos: Dr. Bernd Aspacher

1991 wollte ich mich auf eine Post-Doc-Stelle in den USA bewerben und logischerweise kamen nur drei Staaten in Frage: Californien, Hawaii oder Florida, da wo man tauchen kann. Ein Zusage bekam ich von der University-of-Florida, aus einer Ortschaft names Alachua. Ich war mir sicher, dass dies ein Vorort von Miami sein musste, irgendwo runter Richtung Keys. Die Enttäuschung traf mich herb, als ich feststellen musste, dass Alachua ein kleines Nest nördlich von Gainesville in North-Central-Florida ist und es kaum eine andere Ortschaft in Florida gab, die weiter von Atlantik oder Golf entfernt war. Der Zusage zum Job war ein kleines Faltblatt über Ginnie-Springs beigelegt. Das sah sehr schön aus und tröstete mich ein wenig – und wer hätte damals gedacht, dass Ginnie-Springs meine große Liebe werden würde, wo ich letztendlich sogar mein Hochzeitsparty gefeiert habe.

In Gainesville angekommen machten meine Freundin (nach der Hochzeitsparty dann Frau) und ich an den Wochenenden Ausflüge, um die neue Umgebung zu erkunden und so kamen wir irgendwann nach Ginnie. Aus Deutschland kannten wir nur trübe Baggerseen und ich weiß noch genau, wie uns damals beiden die Kinnlade runtergeklappt ist, als wir vor dieser Quelle standen. Schnapsklares Wasser dringt im Massen aus dem Boden und ergießt sich nach 100m in den SantaFe-River, der zwar normalerweise moorig-braun ist, damals aber ausnahmsweise ebenfalls kristallglar war. Diese Begeisterung hält bis heute an, wir habe in Ginnie unzählige Tage verbracht, später auch mit den Kindern. Es gibt keine schönere Farbe als in Ginnie-Springs in der Cavern zu liegen und durch den Ausgang nach außen in den blauen Pool zu schauen: dieses irisierende Blau mit einem leichten Touch an Grün ist phänomenal.

Caverntauchen hatte ich 1989 in Belize gelernt. Von damals wusste ich noch, dass das Zentrum des Höhlentauchen bei der NSSCDS in Branford liegt, gerade mal eine Fahrtstunde von Gainesville entfernt – naja, und so ist es dann eben passiert, es hat mich erwischt. Nach einem IntroCave-Kurs bei Brent Booth lies mich diese faszinierende Unterwasserwelt nicht mehr los. Viele Tauchgänge führten wir in Devel’s Eye durch, welches ebenfalls im Ginnie-Springs-Park liegt. In diesem Labyrinth könnte man eine Woche lang tauchen und immer wieder neue Passagen entdecken, in
denen man noch nicht war.

Bei Branford liegt das bekannte Peacock-Höhlensystem mit insgesamt sieben Eingängen, auch hier kann man sich beliebig lang austoben. Ferner liegen hier bekannte Höhlen wie Little River, Cow Springs, oder Telford Springs.



Im Eingangsbereich von Little River In den 3 Jahren, die ich in Florida verbracht habe, habe ich mindestens 30 verschiedene Höhlen betaucht und dies ist nur ein Bruchteil der vorhandenen Löcher dort. Es gibt dort sehr einfach Kavernen, welche die sogar für OWDs geöffnet sind, sehr lange Höhlen mit Penetrationsstrecken jenseits von einem Kilometer, tiefe Höhlen bis unter 100m Tiefe, riesige Hallen, welche von der Größe her für Hallenfußball geeignet wären, aber auch sehr enge Passagen – jeder kann hier auf seine Kosten kommen, aber bitte nur mit entsprechender Ausbildung.



im Peanut-Tunnel des Peacock-Systems

 

Ebenfalls sehr schön war es, die Geburtsstunden des Technical Diving miterleben zu können. Während man in Deutschland von Nitrox noch nichts gehört hatte, war dies 1991/1992 in Florida der große Renner, später dann auch Trimix. Personen wie Sheck Exley, Tom Mount, Hall Watts, Parker Turner, Bret Gilliam, Bill Stone, Bill Hamillton, Steve Berman, Dustin Clesi, Michael Menduno, Rob Palmer, Lamar Hires, Mark Leonard, Jim King, Billy Deans, Ed Betts, Dick Rutkowski (Mr. Nitrox) oder Terry TNT Tyssal waren auf jedem Tauchertreffen zu finden, ab 1994 auch WKPP-Größen wie Jarrot JJ Jablonski oder George III, die ersten tek-Konferenzen fanden statt, die erste 1993 in Orlando, Tech-Tauch-Verbände wurden gegründet oder renoviert. Man diskutierte "Nitrox ja/nein", Themen wie "deep on air" oder feierte mit CIS-Lunar und dem Dräger-Atlantis die Wiedergeburt der Kreislaufgeräte.

Egal ob Wrack, Höhle, Tief oder nur seichtes Urlaubstauchen –Florida hat für jeden Geschmack unheimlich viel zu bieten. Auch außerhalb des Wassers gibt es unbegrenzt Spaß (damit die Familie was tun kann während Papa tauchen geht): dutzende Naturparks, EPCOT, Disneyland, Filmstudios, Wet&Wild, Cape Canaveral, Miami Beach..... Als ich nach 3 Jahren wieder zurück nach Deutschland musste, war dies ein sehr schmerzlicher Abschied. Florida zählt für mich sowohl vom Tauchen her als auch von der Lebenslust an sich zu den schönsten Flecken der Erde – und deshalb gehe ich immer wieder mal dorthin zurück.

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