PATD-Taucher:
Ekke Müller, Ralf Haslinger, Heinz Knauseder
Die Sache beginnt, wie so oft,
einmal wieder mit der langen Anfahrt auf der
Rhone - Autobahn. Diese verlassen wir bei Orange
und fahren durch die sommerliche Provence nach
Vaison La Romaine. Nach wenigen Kilometern, nahe
dem Ort Entrechaux, kommt man an das Valleé de
Toulourenc. Dort, in einem landschaftlich
traumhaften Tal liegt unser Ziel, eine Höhle
namens Notre Dames des Anges. Am Anreisetag
bleibt nur noch, ein möglichst nahegelegenes
Quartier zu suchen und das Tal zu besichtigen.
Der nächste Tag beginnt mit Überlegungen,
wie man einige hundert Kilo Ausrüstung etwa 500m
weit durch ein Bachbett schafft, um dann
wenigstens in der Nähe des Höhleneingangs zu
sein. Nach eingehender Prüfung der Fahrtroute
entscheiden wir uns, es mit dem Geländewagen zu
versuchen. Das funktioniert ganz gut und mit vier
Fahrten haben wir


die komplette Ausrüstung in die Nähe des
Eingangs geschafft. Das hat uns zunächst eine
Menge Strapazen erspart, aber nur zunächst. Nun
muss das ganze Equipment durch Gebüsch und über
Felsen zum etliche Meter über dem Talgrund
liegenden Höhleneingang getragen werden. Ganz
schön anstrengend, aber nach einer kurzen Pause
beginnt nun der wirklich unterhaltsame Teil. Wir
zünden die Karbidlampen an und machen uns daran,
die Ausrüstung durch 100m Trockenhöhlenpassage
zu schaffen. Das ist dann wirklich eine üble
Schinderei, kriechend und über Felsen
balancierend, zum Schluss noch einen Abhang
hinunter, bringen wir das Equipment bis zum
Wasser. Nach vier Stunden sind wir völlig
geschafft und wollen eigentlich nur noch an Ort
und Stelle liegen bleiben. Jeder von uns beiden
hat bestimmt 3l Wasser in sich hineingeschüttet
und mit Sicherheit noch mehr rausgeschwitzt.
Nach einer ausgiebigen Pause machen wir noch den
Set-Up-Tauchgang für den nächsten Tag,
das EAN50 wird auf -21m deponiert, der Sauerstoff
auf -6m.
Als wir aus der Höhle wieder herauskommen ist es
schon dunkel,
beim Abendessen besprechen wir noch einmal den
Tauchgang am nächsten Tag.
Die Notre Dames des Anges wird
ziemlich wenig betaucht, in den tieferen
Bereichen so gut wie gar nicht. Nach der
Schlepperei des gestrigen Tages glauben wir den
Grund dafür zu kennen. Das für einen langen,
tiefen Tauchgang nun einmal notwendige Equipment
ist nur mit großem Aufwand vor Ort zu bringen.
Über die tatsächliche Tiefe der Höhle
kursieren die unterschiedlichsten Behauptungen.
Bei diesem Tauchgang wollen wir nun herausfinden
wie die tatsächliche Tiefe ist und wenn möglich
noch schauen, wie es weiter geht. Eine Variante
unserer Berechnungen reicht bis -120m, für diese
Tiefe haben wir auch das Gas dabei. Wir ziehen
die gestern vorbereitete Ausrüstung an, die
Stage-Tanks werden angelegt und alles noch einmal
gründlich gecheckt. Nach dem Abtauchen legen wir
noch die Akkus für die Anzugheizung auf -6m ab,
der Sauerstoff wird noch einmal kontrolliert. Als
wir den etwas eingetrübten Einstiegsbereich
verlassen, erwartet uns diese wunderschöne Höhle
mit phantastischen Sichtweiten. Das Wasser ist
glasklar und macht den Tauchgang zum Genuss.
Zum Abstieg verwenden wir ein
EAN32. Wir kommen gut voran und erreichen bald -40m,
dort steigen wir auf TX 20/30 als Travelmix um.
Es geht weiter bis -47m, dort macht die Höhle
einen scharfen Rechtsknick, steigt wieder an auf
-40m, um dann nach einem Linksknick endgültig in
die Tiefe zu gehen. Wir folgen dem Gang, der bis
auf einige Ausbuchtungen sein Profil beibehält,
wechseln bei -70m auf ein TX 11/59 und erreichen
schliesslich -100m. Entgegen anderslautender
Aussagen geht es von hier an wieder aufwärts.
Wir schauen noch ein paar Meter hinauf, wissen
aber genau, dass der Gasvorrat heute nicht
reicht, um hier weiter zu machen. Das wird das
Thema eines weiteren Tauchgangs sein. Auf dem Rückweg
versuchen wir uns ein etwas genaueres Bild von
der Höhle zu machen und entdecken einige Lehmbänke,
die durchaus geeignet sind, die Sicht drastisch
zu verschlechtern. Der lange Weg nach oben
beginnt, nach einigen Deep-Stops erreichen wir
unsere abgelegten Dekogase mit denen wir uns
langsam hoch dekomprimieren. Nach 3 ½ Stunden
sind wir wieder an der Oberfläche.
Am nächsten Tag beginnt dann
das große Abräumen, das ganze Prozedere wieder
rückwärts. Alles wieder aus der Höhle hinaus
schaffen, hinunter tragen, einladen usw., diesmal
allerdings unterstützt von Heinz, der abends
noch hinzu gekommen war. Noch einmal Strapaze pur.
Spätestens beim Abendessen war allerdings klar,
dass wir auf jeden Fall weiter machen. Nur das nächste
Mal vielleicht mit etwas mehr Unterstützung.
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